Kapitel 45

27. Dezember

„Wie, die IT-Spezialisten haben den Server immer noch nicht neu gestartet? Wieso denn nicht?“ Der Geschäftsführer war sichtlich aufgebracht.

„Fräulein Henker meinte, dass für die IT-Abteilung zunächst ein Ticket in der Projektablaufsteuerungssoftware erstellt werden muss, damit den IT-Kollegen dann ein entsprechendes ToDo zum Server-Neustart zugewiesen werden kann.“

„Bytes, hören Sie: wie soll man denn einem IT-ler in der Projektablaufsteuerungssoftware ein Ticket zur Ausführung des Neustarts des Servers erstellen, wenn eben dieser Server, auf dem die für die gewünschte Ticketerstellung erforderliche Projektablaufsteuerungssoftware installiert ist, gerade nicht funktioniert, weshalb ja der Server auch neu gestartet werden soll?“

Bytes blickte den wutentbrannten Geschäftsführer ratlos an und zuckte mit den Schultern. „Tja, das weiß ich leider auch nicht.“

„Meine Güte, sind denn hier alle verrückt geworden?“ Ohne Bytes‘ Antwort abzuwarten, lief der Geschäftsführer eiligen Schrittes zum Büro von Fräulein Henker. Er klopfte an die Glastüre. Drinnen saß die als ‚Head of department‘ titulierte, den Blick fest auf den Computermonitor gerichtet. Da sie keine Anstalten machte, das Ansinnen des Geschäftsführers zu registrieren, klopfte dieser nochmals an – nun allerdings deutlich lauter. Obwohl Fräulein Henker direkt neben der Glastüre saß und den Geschäftsführer eigentlich hätte sehen müssen, zeigte sie keinerlei Reaktion auf das erneute Anklopfen. Daher ergriff der Geschäftsführer die Initiative und trat einfach in das schmucklose Büro ein.

„Bitte entschuldigen Sie, Fräulein Henker, womöglich haben Sie mein Anklopfen nicht gehört, aber es ist dringend. Unser Server scheint nicht zu funktionieren und müsste schleunigst neu gestartet werden, damit unsere Wissenschaftler weiterarbeiten können und…“

„Aber das ist doch nicht meine Aufgabe, Herr Geschäftsführer.“ Ohne den Angesprochenen eines Blickes zu würdigen, fuhr Fräulein Henker mit ihren Ausführungen fort. „Bitte wenden Sie sich hierzu an die IT-Abteilung.“

„Na gerade das ist ja nicht möglich, weil der von Ihnen dafür vorgesehene Dienstweg über die Ticketerstellung aufgrund des Serverausfalls derzeit nicht möglich ist, verstehen Sie?“

„Ich verstehe Sie nur zu gut, Herr Geschäftsführer. Ich muss Ihnen aber auch mitteilen, dass das weitere Vorgehen in solch einem Fall eindeutig geregelt ist.“

„Aha. Und was besagt diese eindeutige Regelung denn nun?“

„Das steht alles im Leitfaden, den ich hierzu erstellt habe. Sie haben den Leitfaden doch sicher gelesen, oder?“

„Ääääh, ja …. nein, ich meine …. natürlich. Aber ich habe gerade eben nicht die Stelle parat, an dem das Vorgehen für diesen akuten Fall beschrieben ist.“

„Dann müssen Sie den entsprechenden Leitfaden eben noch mal lesen. Sie wissen, wo der sich befindet?“

„Ja … was?“

„Bitte lesen Sie im entsprechenden Leitfaden noch mal nach.“

„Fräulein Henker, jetzt mal ganz ehrlich…“ plötzlich hielt der Geschäftsführer inne. Sein Blutdruck schnellte noch mehr in die Höhe, als dies eh schon der Fall war, und er schnaubte die Fleisch gewordene Bürokratie an: „Fräulein Henker, ich möchte ja nicht die Schlichtheit Ihres Wunschdenkens mit dem für Sie unnötigen Ballast der Realität konfrontieren, aber wir haben jetzt leider gar keine Zeit für diese Spielchen.“

„Was heißt denn hier Spielchen? Ich muss doch sehr bitten.“

„Sie wissen doch genau so gut wie ich, dass der Leitfaden auf dem Server gespeichert ist, der derzeit nicht funktioniert, weshalb ich ja auch extra zu Ihnen …. “ Abrupt hielt der Bittsteller mit seinem Versuch eines vernunftorientierten Lösungsansatzes inne. Auch die über dem Kopf zusammen geschlagenen Hände des Geschäftsführers schienen nichts ausrichten zu können, während Fräulein Henker seelenruhig ihrer nutzlosen Tätigkeit nachging. „Ach wissen Sie was, Fräulein Henker? Schönes Leben noch!“

Er rannte nach draußen, ohne die Glastüre hinter sich zu schließen. Quer durch das von permanenten akustischen Emissionen belastete Großraumbüro, die Treppe hinauf, bei den Kollegen der Audio-Abteilung vorbei und dann direkt in den Technikraum – hier war er, der Verursacher allen Übels, das obskure Objekt der Begierde, dieser riesige und dennoch unbescholtene dämliche elektronische Kasten – der Server.

Der Geschäftsführer drückte den ‚Start‘-Button für einige Sekunden, und umgehend startete der Rechner neu – viel schneller, als es mit all den umständlichen Tickets, den albernen ToDos und dem dämlichen Leitfaden möglich gewesen wäre. 

‚Jetzt können wir uns endlich der eigentlichen Arbeit widmen‘, dachte der Geschäftsführer bei sich, und während er zufrieden die Treppe aus dem Technikraum wieder hinunterstieg, überkam ihn das Gefühl, soeben etwas geradezu Heldenhaftes geleistet zu haben. Er wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn, rückte sein Jackett zurecht, streifte sich mit den Handflächen über die Unterarme und räusperte sich. Als er wieder an seinem Rechner angekommen war, loggte er sich mit seinem Namen und dem Passwort ein, und sofort startete auch die Projektablaufsteuerungssoftware. Ein Fenster blinkte auf: ‚Meeting mit Dr. Starr und Bytes – jetzt.‘ Er startete das ihm zugewiesene ToDo und machte sich auf den Weg zum Konferenzraum.

Dort angekommen, ließ er sich in einen der Stühle sinken und gab seinen Kollegen durch lautstarkes Ausatmen zu erkennen, dass er gerade offenbar eine Herkules-Aufgabe erledigt hatte. Bytes konnte dem Geschäftsführer die soeben überwundene Anstrengung sichtliche nachfühlen, und daher fragte sie: „Möchten Sie einen Espresso, Herr Geschäftsführer?“

„Oh ja, gerne, Bytes.“

„Selbstverständlich. Ich stoppe hier nur eben meinen Projekt-Timer aus der Kategorie 1) und starte meinen Privat-Timer aus der Kategorie 3) … so … jetzt aber.“ Bytes verließ den Raum, und während der Geschäftsführer das unsägliche Timer-Gestoppe und Timer-Gestarte durch ein demonstratives Herunterfallenlassen der Augenlider und gleichzeitiges schnaubendes Ausatmen durch die Nase kommentierte, wollte Dr. Starr das Wort ergreifen. In diesem Moment kam Bytes wieder zur Tür herein.

„Es tut mir leid, Herr Geschäftsführer, aber ich habe leider keinen Espresso für Sie.“

„Aha. Wieso das denn nicht? War ihr ToDo vorher abgelaufen und Sie mussten wieder umdrehen oder was?“

„Nein, aber die Espresso-Maschine ist anscheinend defekt. Ich werde sofort meinen privaten Timer der Kategorie 3) stoppen, um dann umgehend einen internen Timer der Kategorie 2) zu starten, da ich in der Projektablaufsteuerungssoftware ein Ticket erstellen möchte, damit sich der Hausmeister mal die Espresso-Maschine ansieht und anschließend kann ich Ihnen…“

„Nein nein, danke, Bytes. Ich trinke einfach ein Wasser.“  

„Also“ begann Dr. Starr ihre Ausführungen, „wir hatten ja festgelegt, in zwei Gruppen parallel zu Arbeiten. Nun haben wir seit geraumer Zeit ein Problem, dass bisher noch von keinem der Beteiligten gelöst werden konnte.“

„Sie meinen die Projektablaufsteuerungssoftware?“

„Nein, Herr Geschäftsführer …. “ Dr. Starr musste lächeln, denn auf diese Idee wäre sie möglicherweise gar nicht von selbst gekommen. „Nein, ich meine die nach wie vor unbeantworteten Fragen des Direktors vom 7. Dezember. Zusammengefasst bedeutete das Folgendes: Es gilt, zunächst einen Fehler im Zusammenhang mit einem Datum zu finden und dieses Malheur durch das richtige Datum zu ersetzen. Dann sollten wir unseren Protagonisten wie auch immer auf den Fehler und die Korrektur aufmerksam machen und schließlich: Welche Veränderungen ergeben sich daraus für den Protagonisten, sein Buch, den Film und unser Projekt hier?“

„Ich stimme Ihnen zu: diese Fragen sind nach wie vor unbeantwortet, womöglich auch deshalb, weil wir noch nicht so recht zu unserer eigentlichen Arbeit gekommen sind, weil wir ja dauernd irgendwelche ToDos starten, ToDos stoppen und protokollieren.“ Der Geschäftsführer blickte zu Dr. Starr und Bytes, um sich der Zustimmung zu seiner eben getroffenen Behauptung zu vergewissern. Das stumme Nicken von Dr. Starr sowie das leise Kichern von Bytes signalisierten ihm, dass sie seine Ansicht teilten. Also fuhr er fort: „Das simple Registrieren von Arbeit ist ja etwas anderes als die Arbeit selbst. Niemand bestreitet die Notwendigkeit, den Verlauf unseres Projektes hier sorgfältig zu dokumentieren und die Abläufe bestmöglich zu koordinieren. Aber man kann es auch übertreiben. Es wird nicht genügen, nur darauf verweisen zu können, wann wir denn was und wie lange getan haben. Ausschlaggebend wird am Ende das Niveau unserer Arbeit sein, denn unsere Auftraggeber erwarten von uns ja ein Ergebnis, das dem betriebenen Aufwand auch gerecht wird. Es muss also ein Resultat vorliegen, dass nicht nur Quantität akribisch auflistet, sondern das vor allem anderen in puncto Qualität alles bisher da Gewesene in den Schatten stellt.“

„Ich schließe mich Ihrer Ansicht an, Herr Geschäftsführer“ pflichtete Dr. Starr ihm bei, „und ich würde sogar noch einige Schritte weitergehen: der kleingeistige und seltsam devote Umgang mit der Programmablaufsteuerungssoftware kann ja nicht der Sinn der Sache selbst sein. Ich habe eher den Eindruck, dass Fräulein Henker da ihr eigenes kleines Reich neben dem eigentlichen Hauptschauplatz errichtet hat, und dieses Bürokratiemonster wird von allen gefüttert und dadurch noch mächtiger gemacht.“

„Meinen Sie mit dem Monster jetzt Fräulein Henker oder die Software?“ Der Geschäftsführer wollte es genau wissen. „Ich meine, Fräulein Henker lässt sich ja von niemandem etwas vormachen – sie macht sich lieber selbst etwas vor. Bürokratie existiert doch nur, weil sie von Bürokraten erschaffen wird. Andererseits ist ein Bürokrat ein Anhänger und Ausübender der Bürokratie. Es stellt sich also die Frage: was war zuerst da – Bürokratie oder Bürokrat? Es ist gerade so wie beim Huhn und beim Ei.“

„Diese Frage kann ich Ihnen leider auch nicht beantworten“ fuhr Dr. Starr fort, „aber ich möchte noch einen anderen Gedanken einbringen: Fräulein Henkers Aufgaben in unserem Projekt sind gemäß ihrer Mail-Signatur ja ‚Qualitäts-, Service- und Prozessmanagement‘. Ich möchte Sie beide daher nun ganz konkret fragen: Hat sich denn qualitativ seit Einführung der Projektablaufsteuerungssoftware auch qualitativ etwas verbessert? Ich meine jetzt nicht, ob generell irgendetwas verändert wurde, denn das ist gewiss geschehen. Aber ist etwas auch besser geworden? Besser im Sinne von einfacher, leichter, überschaubarer?“

„Wohl kaum.“ Der Geschäftsführer schüttelte den Kopf, und Bytes blickte wortlos und betreten zu Boden.

„Und wenn wir von Servicemanagement sprechen“ fuhr Dr. Starr fort „Haben denn unsere Auftraggeber irgendetwas davon, wenn wir hier die Dinge auf das absolute Maximum verkomplizieren? Wem nützt das? Wo ist der Benefit?“ 

„Vollkommen richtig, Dr. Starr. Ich habe heute bei dem Versuch, den Server neu starten zu lassen, eine wahre Odyssee erlebt. Diese sogenannte Controllerin sitzt da in ihrem Glaskasten und betet stupide ihre Litanei herunter, so dass man meinen möchte, man sei plötzlich eine bedauernswerte Figur aus einem Roman von Franz Kafka. Kennen Sie beispielsweise ‚Das Schloss‘? So läuft das hier mittlerweile ab!“ Der Geschäftsführer war in seinem Element: „Und ich, der als Geschäftsführer hier für die ökonomischen Belange unseres Projektes verantwortlich bin, frage mich allmählich: Wer hat dieses Fräulein eigentlich eingestellt? Wofür wird die denn eigentlich bezahlt? Die einzigen Dinge, die sie tut, sind den ganzen Tag herumschnüffeln und die anderen glauben machen, dass ihr Vorhandensein irgendeinen Sinn ergäbe. Das nennt sich dann Prozessmanagement. Apropos: Kennen Sie von Kafka ‚Der Prozess‘?“

„Ja, kenne ich – ein sehr gutes Buch im Übrigen. Als Psychiaterin kann ich aber eine Aussage dazu treffen, was der Sinn solcher Prozessmanager ist: Controlling. Und dieses Controlling bezieht sich eben nicht nur auf die wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte unseres Projekts, sondern eben auch auf Kontrolle aller Beteiligten. Nur ergibt sich daraus eben auch eine weiterführende Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleurin?“

Für einen Moment sahen sich die drei Diskutierenden fragend an. Dann ergriff der Geschäftsführer wieder das Wort. „Wie sehen Sie das eigentlich, Bytes?“

„Nun, ich bin ja Programmiererin. Das ist ein technischer Beruf, und in der Technik sind immer nur zwei Ergebnisse möglich: Einerseits die Variante, das alles funktioniert – dann ist es gut, und keiner wird fragen, wie man denn nun genau da hingekommen ist. Da interessiert sich dann auch kein Mensch für irgendwelche peniblen Eintragungen in die Programmablaufsteuerungssoftware. Andererseits ist da die Möglichkeit, dass etwas nicht funktioniert – das wäre dann schlecht, aber da wäre halt auch keine Hilfe von einer noch so apart geführten Dokumentation zu erwarten, denn dieses Protokoll würde ja auch nur den Fehler als solchen festschreiben, aber nichts zu dessen Ursache aussagen oder gar einen Lösungshinweis zu enthalten.“

Der Geschäftsführer und Dr. Starr nickten stumm. Dann schloss sich auch Bytes der Gemeinschaft der still vor sich hin Blickenden an. Nach einer Zeit, die vielleicht einen Moment oder auch eine Ewigkeit gedauert haben könnte, wurde das Schweigen aufgelöst.

„Ich weiß, es ist ein kühner Gedanke, und ich zögere auch noch, ihn auszusprechen…“

„Was meinen Sie, Frau Dr. Starr?“

„Ich meine, Herr Geschäftsführer, Sie haben mich auf eine Idee gebracht.“

„Und die wäre?“

„Sie selbst haben doch vorhin die Frage aufgeworfen, wer das äußerst bescheidene Fräulein Henker denn eingestellt hat.“

„Ja, und?“

„Und ich muss nun gestehen, dass es mich überrascht, dass Sie das offensichtlich auch nicht wissen. Bisher war ich eigentlich davon ausgegangen, dass Sie selbst in Ihrer Funktion als kaufmännischer Leiter unseres Projekts diese Personalie entsprechend veranlasst hätten.“

„Ich? Um Himmels Willen – nein. Man sollte genau zwischen einer Person und ihrer Funktion trennen. Die Funktion des Prozessmanagements an sich muss nichts Schlechtes sein, wenn sie von einem fachlich kompetenten und integren Menschen korrekt ausgeführt wird. Manche Menschen sind wirkliche Persönlichkeiten, andere wiederum sind halt nur Personen, und dieses Fräulein Henker ist mit dem Wort Person ja noch sehr wohlwollend umschrieben …. ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, dass diese sogenannte Controllerin bei ihrem vorherigen Arbeitgeber angeblich gemobbt wurde.“

„Nein, das wusste ich nicht … aber das würde einiges erklären – aus psychologischer Sicht, meine ich.“

„Und was würde das erklären, Frau Dr. Starr?“

„Nun ja, dieses ….. dieses seltsam unkollegiale Verhalten. Eigentlich ist sie als sogenannter ‚head of department‘ – was auch immer damit gemeint sein mag – den Teamleitern wie Professor Feder oder mir nicht übergeordnet, richtig?“

„Nein, eigentlich nicht.“

„Und Ihnen als Geschäftsführer sollte sie doch eigentlich sogar unterstellt sein, oder?“

„Ja, sollte sie. Fräulein Henkers herrisches und selbstgefälliges Verhalten lässt aber nicht darauf schließen.“

„Eben. Und da liegt die Erklärung: wer früher selbst gemobbt wurde, geht später dazu über, andere zu mobben.“

„Oh…. ich denke, ich weiß was Sie meinen: Es ist so wie bei den Kindern, die von ihren Eltern geschlagen wurden?“

„Genau, Herr Geschäftsführer: in den allermeisten Fällen sind Eltern, die ihre Kinder schlagen die Personen, die als Kinder selbst geschlagen wurden. Und jetzt, als zwar körperlich Erwachsene, aber seelisch dennoch verkümmerte Menschen, gehen sie eben dazu über, selbst zu schlagen, weil sie das als normal und als nicht verwerflich kennen gelernt haben.“

„Oh nein…“ Der Geschäftsführer schluckte, und seine Stimme wurde brüchig. „Jetzt tut mir dieses Fräulein Henker ja schon fast wieder leid.“  

„Also mein Mitleid hält sich in Grenzen.“ Der Ausspruch von Bytes löste die Betroffenheit der Situation im Nu auf. „Irgendjemand scheint das Fräulein ja eingestellt zu haben“, fuhr die Programmiererin fort, „und wenn Sie es nicht waren, Herr Geschäftsführer, kommt ja nur noch einer in Frage.“

„Sie meinen…“

„Ja, das meine ich. Die Anwesenheit dieser unsäglichen Henkerin kann eigentlich nur das Werk des Herrn Direktor sein.“

„Bytes, Sie haben recht …. das ist ja unerhört. Ich wage es ja kaum auszusprechen, aber ….“

„…aber?“

„…aber wenn der Direktor doch die Antwort auf die Fragen vom 7. Dezember kennt, so wie er das ja auch verkündet hat – warum setzt er uns dann hier so einen Frau gewordenen humanoiden Computervirus vor die Nase?“

„Fräulein, Herr Geschäftsführer, Fräulein – nicht Frau“ Dr. Starr sprang ruckartig von ihrem Stuhl auf. „Wissen Sie was…“ Sie stützte sich mit beiden ausgestreckten Armen auf den Tisch. Ihr Blick war weit in die Ferne gerichtet. „Wissen Sie, was ich mich langsam frage?“

„Was denn, Frau Dr. Starr?“

„Was wäre denn eigentlich, wenn unser Direktor die Antworten auf diese Fragen in Wirklichkeit gar nicht kennt und unser Projekt nur dazu da ist, um zu…“

In diesem Moment klingelte das Telefon. Dr. Starr verstummte auf der Stelle. Das Telefon klingelte nochmals. Die drei blickten fragend einander an. Wer konnte das jetzt sein? Gerade jetzt. Das Telefon klingelte erneut. „Ach, dann gehen Sie schon ran, Bytes.“

„Natürlich, Herr Geschäftsführer.“

„Hallo, Bytes hier …. ja …… ja ….. verstehe …. wie, in fünf Minuten schon? ….. also praktisch um Mitternacht, ja? …. OK, ich sage den beiden Bescheid. Wiederhören.“

Dr. Starr und der Geschäftsführer musterten Bytes und erwarteten offensichtlich eine Auskunft. „Der Herr Direktor wünscht Sie beide zu sprechen. Null Uhr im großen Saal.“